Hhhh…Mama kommt
Mein erster Zug an einer Zigarette war eine Mischung aus Erstaunen darüber, dass er doch irgendwie anders schmeckte als er roch, ein leichter Ekel über den schmierig-holzigen Geschmack und Bauchkribbeln durch das Gefühl etwas Verbotenes getan zu haben. Da die Hemmschwelle zum Rauchen nun überschritten war machte ich mir in den nächsten Tagen keine weiteren Gedanken darüber, als ich es erneut probierte und langsam Gefallen daran fand. Ein paar Tage später habe ich mir, um mich bei den Anderen nicht weiter durchschnorren zu müssen, mein erstes eigenes Päckchen am Automaten geholt, natürlich sehr darauf bedacht nicht dabei erwischt zu werden, wobei mich innerlich ein ziemlich schlechtes Gewissen befiel, da ich wusste, dass es bedeuten würde, dass ich mir bewusst vornahm noch mindestens 19 weitere Zigaretten zu rauchen. Wie schnell verging die Zeit, in der ich weitere Packungen kaufte, sie rauchte, mir die verrücktesten Methoden zur Prävention von Rauchgeruch aneignete und anfing mich selbst als “Raucherin” zu bezeichnen. Natürlich wusste ich, dass Rauchen Krebs und viele andere schlimme Krankheiten verursacht, aber es war mir egal. Da mir nach meinem ersten Rauchversuch nicht sofort ein Bein abgefallen war, kamen mir die Spätfolgen so weit entfernt vor, dass ich mir das Rauchen mit Gedanken wie :”Wenn ich irgendwann aufgehört habe und 10 Jahre rauchfrei bin, ist mein Krebsrisiko faktisch wieder bei dem eines Nichtrauchers angelangt.” als folgenlos schönredete. Sicher, im Laufe der Jahre gab es einige Momente in denen ich mich fragte, wieso ich eigentlich den Qualm von in Papier gerollten Trockenpflanzen inhalierte, aber die Gewohnheiten die sich irgendwann eingeschlichen hatten, wie “Die Zigarette in der Pause”, oder “Die Zigarette nach dem Essen” liessen mich diese Gedanken über die Sinnlosigkeit des Rauchens schnell wieder vergessen. Die Tatsache, dass ich es immer mal wieder schaffte 1-2 Monate ungeplant rauchfrei zu sein, liess mich mir einreden, dass ich nicht süchtig wäre und jederzeit wieder aufhören könnte. Als mir bewusst wurde, dass ich nun schon mehr als ein Drittel meines Lebens rauchte und langsam auf die Hälfte zuging, spielte ich das erste Mal ernsthaft mit dem Gedanken aufzuhören, aber die Angst, dass mein Wille nicht stark genug wäre und ich scheitern würde, so wie all die Leute die alle 2 Wochen behaupten sie würden aufhören und es doch nicht tun, liess es mich gar nicht erst versuchen. Erst als ich körperliche Beschwerden wie Kurzatmigkeit und Konditionslosigkeit bekam wurde mir bewusst, wie sehr ich mir in den letzten 8 1/2 Jahren geschadet hatte. Nach einer starken Erkältung, die mit schauerlichen Atemgeräuschen verbunden war, habe ich das Rauchen vorerst aufgegeben, da ich immer noch nicht daran glaubte, dass ich es endgültig aufgeben könnte. Am 22. Mai habe ich auf den Champions-League-Sieg von Mailand gegen Bayern meine letzte Zigarette geraucht und bin seitdem bemüht es dabei zu belassen. Man sagt nach 10 Wochen ginge der Suchtdruck vorbei, völliger Stuss, er hat nach 6 Wochen erst richtig begonnen und lässt mich fast jeden Nacht davon träumen wie ich rauche, ich habe es bereits so oft geträumt, dass ich manchmal nicht mal mehr weiss ob ich nun eigentlich noch rauchfrei bin oder nicht. Meinen Geschmacks- und Geruchssinn würde ich auch nicht als besser bezeichnen und ich muss ehrlich gestehen, dass es mir ungemein fehlt. Andererseits kann ich wieder entspannt durchatmen und meine Kleider riechen an den Ärmeln nicht mehr nach altem, kaltem Rauch. Das was mich letztendlich aber nun wirklich davon abhält “nur einmal kurz” bei jemandem zu ziehen ist, dass ich weiss, dass ich mich hinterher wahnsinnig dafür verachten würde, dass ich nicht stark geblieben bin und mir das niemals verzeihen könnte. Wahrscheinlich würde ich mir trotz des schlechten Gewissens dann einreden, dass nun sowieso alles verloren sein und prompt wieder anfangen regelmässig zu rauchen und als nach Rauch stinkende, röchelnde Oma möchte ich nun wirklich nicht enden. Im Anschluss möchte ich noch das HB-Männchen grüssen: “Baby ich hab dich echt lieb, aber es ist aus, dein Unterhalt wurde mir einfach zu teuer und ich mein du kannst nicht ewig auf und in meiner Tasche liegen”