Zusammen waren wir unschlagbar. Wir waren DAS Team überhaupt. Du hast mir gezeigt wie man aus Blumen buntes Wasser macht, du hast mit mir Fussball gespielt und mit mir zusammen, aus dem gesamten Sand des Spielplatzsandkastens, eine überdimensionale Sandburg mit Höhlensystem gebaut. Wir haben uns zwar nicht so oft gesehen, aber für mich war es ein Fest, jedes Mal aufs Neue. Selbst wenn ich nicht bei dir war, hast du die von uns beiden in Einmachgläsern gefangenen Nacktschnecken und Riesenheuschrecken gefüttert und saubergemacht, damit wir sie beim nächsten Treffen gemeinsam wieder freilassen konnten. Wir haben zusammen in harter stundenlanger Arbeit das gesamte Gebüsch am Bahndamm platt gemacht, die Weinbergschnecken daraus eingesammelt, sie abends im Keller deponiert, uns am nächsten Morgen wiedergetroffen und ein wunderbares „Paradies“ gebaut, in welchem wir neben den Schnecken noch Heuschrecken aus den Gräsern, der unter uns befindlichen Wiese beherbergt haben. Einer von uns hat immer aufgepasst, dass die Bewohner nicht zufällig herausspringen und der andere hat neue Heuschrecken angeworben. Am Ende des Tages durften wir die über 50 Weinbergschnecken, aus Angst um den Garten, aber leider nicht behalten und so haben wir sie in eine Schubkarre gepackt und ins Feld gefahren, wo wir sie liebevoll in einem Salatfeld ausgesetzt haben, damit sie auch ja genug zu essen haben. Im Laufe der Zeit haben wir unsere gemeinsamen Unternehmungen ausgeweitet, wir sind nicht nur bei gemeinsamen Hochzeitsplänen ins „Blumengebet“ gefallen, nein, wir haben auch einige Wochen beim Erkunden der „Gufno“ zugebracht, was für andere sicher ein wenig seltsam klingen mag. Heute könnten wir beide unterschiedlicher nicht sein und doch haben wir immer noch einiges gemeinsam, neben unseren skurrilen Witzen mit und über unsere Familie, sowie der Diskussion wo genau welcher Teil des Essens stehen soll, sind wir irgendwo immernoch die kleinen Kinder von damals. Manchmal gibt es für mich nichts Schöneres, als mich an all die phantastischen Erlebnisse die wir hatten zu erinnern und zu wissen, dass es vermutlich noch tausende mehr werden werden.
Wir zwei beide
Veröffentlicht in Memories mit Tags Sommer, wahre Freunde am 27. Oktober 2009 von gilbchenAnimosität
Veröffentlicht in Lost until I find myself mit Tags Gefühle am 26. Oktober 2009 von gilbchenDas grösste und schmerzhafteste Gefühl, zu welchem der Mensch fähig ist ist Hass. Nicht der allgemein eingebildete Hass gegenüber anderen, sondern der sich tief in dich reinfressende Hass gegen dich selbst. Kein Gefühl ist so enorm und andauernd wie dieses, nicht mal eine dich fast verbrennende Sehnsucht. Egal ob du zu schwach bist deinen eigenen Prinzipien treu zu sein und an deinem eigenen Schweinehund scheiterst, du auf dem Weg zum Ziel an deinen Gelüsten hängengeblieben, vom Weg abgekommen und nun weit hinter deinen Startpunkt zurückgefallen bist, oder dir wieder ein Rückschlag wiederfahren ist, der dich an deinem Gehirn, Gespür und Eigenwert zweifeln lässt, die Antipathie gegen dich selbst ist es, die dich nicht schlafen oder essen lässt. Es ist der Hass gegen dich selbst, der dich Nachts um 3 aufstehen und bis zum Morgengrauen Fahrradfahren lässt, weil du am Mittag das Bratfett über deine Kartoffeln gegossen und diese dann mit Genuss gegessen hast und das obwohl du dir vorgenommen hattest abzunehmen, weil dir bei jeder Gelegenheit dünnere Menschen vorgezogen wurden und du dich aufgrund des schlechten Gewissens noch schwabbeliger und unförmiger fühlst als zuvor. Es ist der Hass gegen dich selbst, der dich mit der blanken Faust gegen die Hauswand schlagen lässt, weil du gemerkt hast, dass du wieder auf die falschen Menschen reingefallen bist, besonders dann, wenn du dir nach den letzten sehr tiefen Tiefschlägen geschworen hattest keinem mehr leichtfertig zu vertrauen. Es gibt so viele Beispiele in denen dieses Gefühl die Macht über dich besitzt, ohne dass du es bemerkst, oft wird es als prämenstruale Gefühlsschwankung, nicht gewährleistete Auslastung oder Gottlosigkeit gedeutet. Im Prinzip deutet jeder dieses Gefühl für und gegen sich individuell und bei jedem ist dieses Gefühl anderweitig ausgeprägt, aber es gibt keinen, der es selbst noch nicht erlebt hat, keinen, der sich noch nie für seine eigenen Schwächen verachtet hat…naja…und wenn doch, dann bin ich vielleicht auch nur eine arme Irre, die zu hohe, utopische Erwartungen an sich selbst stellt.
Und manchmal ist es einfach nur zum heulen…
Veröffentlicht in Lost until I find myself mit Tags Gefühle, Märchen, Vermisst am 24. Oktober 2009 von gilbchen…aka märchenhafte Krims-Kramsammelsorium-Produktion einer turbulenten 5Tagewoche.
Montag: Wie gefunden so verschwunden
In einem Land südlichen von Denmarkien war die kleine Magd Joella, an einem Montag, auf der Suche nach Trüffeln in einem dichten Flaumeichenwald unterwegs. Beim Einsammeln der wertvollen Pilze entdeckte sie plötzlich eine kleine mit Perlen bestickte Ringschachtel, die sie sehr schnell, sehr stark und untrüglich an einen, für sie von unschätzbarem emotionalen Wert besetzten, Ring erinnerte, der ihr mal sehr lieb gewesen war, welchen sie Jahre zuvor bei einem fremdverschuldeten Anschlag in eben dieser Schachtel, in eben diesem Wald verloren hatte. Damals lag sie mehrere Monate mit den Folgen des Unglücks kämpfend im Bett und fühlte sich nach ihrer Genesung nicht im Stande aktiv nach dem verlorenen Kleinod zu suchen. Nun als sie glaubte den Ring wiedergefunden zu haben, war sie so sehr von ihren Gefühlen überwältigt, dass sie die Schachtel zwar öffnete, sich jedoch nicht traute hineinzusehen aus Angst der Ring könne ihr nicht mehr gefallen. Als sie sich für den Rückweg fertig machte, fiel ihr der Beutel mit den Trüffeln hinunter. Beim Aufheben musste sie in einer Sekunde des peripheren Blicks erkennen, dass die Schachtel leer war und sie nur einen weiteren Anhaltspunkt über seinen letzten Aufenthalt gefunden hatte. Der drastische Umschwung von einem schockierenden Hochgefühl zu einer sie beinahe erschlagenden Resignation war so aprupt, dass sie den Wald nie mehr betrat und vor lauter Enttäuschung die nächsten Monate mit keiner Menschenseele auch nur ein einziges Wort wechselte.
Dienstag: Wie das Meer salzig wurde
Die Meerfrau Joumina, war mit ihrem Angebeteten verabredet, durch dessen Liebe sie sterblich und zum Menschen werden wollte. Sie war bereit alles für ihn aufzugeben und wartete auf einem Riff um den alles entscheidenen Schritt zu gehen. Wie sie nun dort so sass schwamm ein Pinguin vorbei. Es war ein mittelalter Pinguin, der nicht besonders gepflegt aussah. Joumina kannte sicherlich ein paar Pinguine, hatte sie aber nie sonderlich zu ihnen hingezogen gefühlt, um es genauer zu sagen…garnicht. Der Pinguin schwamm vorbei und grüsse die Meerfrau abwesend. Als er aus ihrem Blickfeld entschwunden war, begann sie plötzlich den Pinguin zu vermissen. Sie vermisste ihn so sehr, dass sie dachte es würde ihr auf der Stelle das Herz zerreissen und so machte sie sich auf die Suche nach dem Pinguin. Sie suchte überall, am Nordpol, am Südpol und in Polen, aber sie konnte ihn nicht finden. Resigniert nahm sie auf einem Kieshügel platz und erinnerte sich an ihren Menschenmann, den sie bereits um 100 Jahre versetzt hatte. Sie wurde sich bewusst, dass sie ihm das Herz gebrochen hatte und weinte bitterlich, da sie durch eine Eingebung alles verspielt hatte, was ihr wichtig gewesen war, ohne dass sie ein höheres Glück erzielt hätte. Sie weinte Monate und Jahre, versetzte so den Ozean mit Salz und verkaufte letztendlich am 367 Dienstag ihr Herz und ihre Seele an eine Meerhexe, um dem schier endlosen Leid entgehen zu können. Heute ist sie eine von vielen verwunschenen Meerfrauen, die ihr Herz an den falschen verloren, ihr kostbarstes Gut an die Meerhexe verkauften und nun auf dem Grund des Meeres als Perlen in der Strömung treiben.
Mittwoch: Und manchmal grüsst der Trolle ihr
Prinzessin Jolinda aus dem Land hinter den sieben Schergen lebte lange Zeit in Angst, in Angst vor einem Troll. Wieso sie sich einem Troll überhaupt genähert hatte, hat sie ihrer überaus höflichen Naivität zu verdanken. Sie lernte den Troll als Zwerg verkleidet kennen, vorgestellt wurde er ihr von einem befreundeten Gnom. Die Prinzessin war nett und höflich zu dem als Zwerg getarnten Troll, bis er anfing sein wahres Gesicht zu zeigen. Er behauptete sie gehöre ihm, sie müsse ihn heiraten und terrorisierte sie mit Telegrammen, in denen er ihr mitteilte, dass sie ihn doch auch liebe und er vor ihrem Schloss stünde um sie abzuholen, sodass sie auf ewig mit ihm sein könne. Sie erzähte ein paar Hofdamen davon, aber keine konnte ihr weiterhelfen. Der Gnom lachte über die Prinzessin, da sie sich mal wieder durch ihre Freundlichkeit in Schwierigkeiten gebracht hatte. Aus Scham sprach sie nicht weiter darüber und hoffte den Troll durch Ignoranz loszuwerden. Die Prinzessin ging nicht mehr aus dem Schloss, bis der Troll irgendwann aufgab, vermutlich war es ihm zu teuer täglich 8 unbeantwortete Telegramme zu versenden. Sie begann ihr altes Leben wieder aufzunehmen und vergass die Angst, die sie wochenlang gequält hatte. Bis sie an einem Mittwoch die Post für ihren Vater, den König, hereinholte und feststellen musste, dass der Troll ihr geschrieben hatte und sie fragte ob sie sauer auf ihn sei. Die Prinzessin, höflich wie sie war, begann sich Vorwürfe zu machen, dass sie dem Troll nie geantwortet hatte. Das einzige was sie von einer beschwichtigenden Antwort abhielt, war das zurückgekehrte Gefühl der nagenden Angst. Da die Prinzessin Waage war, konnte sie sich nur schlecht, bis garnicht, entscheiden und wenn sie nicht gestorben ist, dann hadert sie noch heute.
Donnerstag:
Lady Masala wurde schon als Baby prophezeit, dass sie später mal an gereizter Haut zu leiden hätte. Im Laufe ihres noch recht kurzen Lebens begannen sich die, zunächst nur leichten, Hautreizungen, aufgrund von Umwelteinflüssen, in eine ernstzunehmende Neurodermitis umzuwandeln. Sie probierte mehrere Cremes und fand schliesslich ein Mittel welches zu helfen schien. Sie nutzte es und vergass mit der Zeit wie sehr sie unter der trockenen Haut gelitten hatte, bis das Mittel irgendwann seine Wirksamkeit verlor. Lady Masala war zutiefst betrübt, traute sich allerdings auch nicht ein neues Mittel auszuprobieren, da sie insgeheim hoffe, das altbewährte könne auf einmal wieder Wirken und nur einen kleinen Rückfall verursacht haben. Ihr Leiden wuchs jedoch derart schnell an, dass sie gezwungen war den Gebrauch der Creme einzustellen. Eine gute Freundin zwang sie aus Neue die unterschiedlichsten Doktoren aufzusuchen, um gegen ihre Krankheit vorzugehen. Eines Tages landete sie bei einem Quacksalber, der ihr Heilung und Glück versprach, Lady Masala, die insgeheim schon aufgegeben hatte, liess sich auf das Gerede des Quacksalbers ein und erhielt eine pflanzliche Tinktur, von deren Geruch sie bereits geheilt werden sollte. Lady Masala goss den Inhalt der Phiole in ein kleines Schälchen und setzte sich dessen Geruch besonders des Nachts aus. Als die Tinktur eines Tages evapoiert war, ging sie erneut zu der Stelle, an welcher sie den Quacksalber damals getroffen hatte. An dessen Arbeitsort hing ein Schild, welches verriet, dass der Quacksalber aufgrund privater Angelegenheiten nach Palermo gezogen sei. Lady Masala betrat seinen nicht verschlossenen Exarbeitsplatz und fand in der hintersten Ecke eine Kiste mit der ihr verkauften Tinktur. Beim Betrachten des Etiketts stellte sie fest, dass die Inhaltsstoffe der Phiolen keinerlei Auswirkungen auf die Haut haben, aber für volleres Haupthaar sorgen sollten. Lady Masala stellte erstaunt fest, dass ihre Neurodermitis zwar nicht vermildert, ihr Haar aber viel voller und glänzender geworden war. Sie beschloss das Mittel trotz falschen Anwendungsgebiets weiter zu verwenden und schickte dem Quacksalber eine dankbare Postkarte. Und wenn sie nicht gestorben ist, dann versteckt sie ihre schrecklich schmerzende Haut noch immer hinter ihrem schönen, glänzenden Haar.
Freitag: Von Dielen und Bohlen
Königin Jomaira zog, nach ihrer Scheidung von König Ludwig, in eine schöne Altbauwohnung, am Rande des Märchenwaldes, da sie das Adelleben satt hatte. Die Wohnung war von ihrer Vorbesitzerin nicht in Stand gehalten, sondern in tragischem Zustand zurückgelassen worden, besonders der edle Holzdielenboden machte einen grob fahrlässig behandelten Eindruck. Sie hatte die Dielenbretter nicht schön geschliffen und versiegelt, sondern mit gravierenden Gebrauchsspuren zurückgelassen, sie laienhaft lackiert und einen Teppichboden darübergeklebt, unter welchem der schöne Boden total verkommen war. Königin Jomaira übernahm trotz allem diese Wohnung, da sie grosses Potential in ihr erkannte. Sie machte sich die wahnsinnige Mühe den gesamten Boden mit viel Zeit und Liebe aufzuarbeiten und wurde dann, an diesem düsteren Freitag, nach Beendigung ihrer Arbeit, aus familiären Gründen der Vermieterin, gekündigt, da diese die Wohnung, nachdem sie begonnen hatte ihren Mann zu betrügen, für private Zwecke nutzen wollte. Königin Jomaira war sehr traurig darüber, dass jetzt eine andere Frau von ihrer harten Arbeit profitieren würde, wo sie doch den besten Teil ihres Lebens in dessen Instandbringung gesteckt hatte. Und die Moral von der Geschicht: Erst verdrehen sie dir den Kopf und dann versuchen sie hinterlistig ihn dir abzureissen.
Und wenn sie sich nicht täuschen kann das Wochenende nur besser werden.
U-Bahn Liaison
Veröffentlicht in Memories am 8. Oktober 2009 von gilbchenHeute morgen 7:33: Ich sitze in der U4 Richtung „Seckbacher Landstrasse“, frage mich, beim unauffälligen Betrachten meines Hintermannes in der Spiegelung der Fensterscheibe, wie man bereits früh am Morgen schon so sehr nach Schweiss und Sekret riechen kann, dass selbst ich, mit überaus verstopfter Nase, nicht in der Lage bin dieses minderwertige Aroma zu ignorieren, als ich beim Halten an der Station „Dom/Römer“ den Mann aller Männer erblicke. Erbarme dich meiner! Als er den Wagen betritt, bin ich bereits in romantischen Wallungen erstarrt, er lächelt mich an und setzt sich…auf meine Hand…leider Gottes bemerke nicht nur ich dieses reizende Versehen, nein, er tut es auch, entschuldigt sich und ich bin gezwungen die Hand zu mir zu ziehen. Schade. Ich spiele mit dem Gedanken sie nie wieder zu waschen, aber der dezent markante Duft, welcher von ihm ausgeht vernebelt mir das Gehirn. Um nicht das Bewusstsein zu verlieren tue ich das einzig Sinnvolle: Ich lenke meinen Blick auf seine Hände und trotz zunehmenden Schwindels habe ich innerhalb einer knappen Viertelsekunde herausgefunden, dass er wohl weder schwul noch verlobt, geschweige denn verheiratet ist. Jackpot. Er lächelt wieder. Ich ziehe in Erwägung ihm auf der Stelle einen Antrag zu machen, besinne mich allerdings eines Besseren, denn jemanden um seine Hand zu bitten, ohne in der Lage zu sein seinen Vornamen zu nennen, ist nicht besonders höflich. Den Weg über die nächsten zwei Haltestellen verbringe ich damit mir mit „Kräuter- und Hustentee“ (erinnert vom Geschmack eher an Häuter- und Krustentee) Mut anzutrinken, um ihn nach seiner Identität fragen zu können. Tragischerweise verlässt er mich genau in dem Moment, in dem der Tee leer wird, demnach bleibt mir nichts anderes übrig als sehnsüchtig auf sein überaus wohlgeformtes Hinterteil zu schmachten, während er mit einem lasziven Hüftschwung aus meinem Blickfeld schwindet. In eben dieser Sekunde werde ich rasant auf den Boden der Tatsachen zurückgeworfen, als mir mein streng duftender Sitznachbar mit einem Kampfgewicht von mindestens 13 Zentnern auf den Fuss stolpert, sich zu mir hinunterbeugt und mir mit einer Wodka-Exkremente-Fahne ein „Eyy pass ma auf…“ in die Nase lallt. Ich bin überzeugt die nächsten 17 Tage nichts mehr riechen zu können und steige mit einem starken Drang nach frischer Luft am „Merianplatz“ aus. Es wäre auch zu schön gewesen.
Danke, kein Bedarf.
Veröffentlicht in Lost until I find myself mit Tags Freunde am 17. September 2009 von gilbchenAch was sage ich überhaupt danke? Ich müsste mir selbst zu dieser Erkenntnis danken. Ich beende mal wieder das Kapitel „halbherzige Freunde“, die sich immer nur dann bei mir melden, wenn sie etwas von mir haben wollen, oder anrufen um sich den Ballast vom Herzen zu reden. Ich bin weder die Volksfürsorge, noch der Kummerkasten für einsame Seelen. Eine Freundschaft besteht für mich nicht daraus für eine Person immer da und in jeder Situation erreichbar zu sein, mir ihre Sorgen anzuhören und mir die Nächte um die Ohren zu schlagen, bei dem Versuch eine Lösung für ihre Probleme zu finden, während die betroffene Person wie ein Baby schläft, in dem Gedanken, dass die liebe Johanna das schon richten wird, um mir dann wenn ich ein Problem habe sagen lassen zu müssen, ich solle mich nicht so anstellen, da das ja garnicht meine Art sei. Ich bin nicht dazu da, alles für diese Personen zu geben, um im Endeffekt das Gefühl zu haben, dass ich nur nützlich bin, wenn ich Verständnis habe und meine eigenen Bedürfnisse zurückschraube. Es ist auch nicht an mir immer diejenige zu sein die sich melden muss, weil diese Leute es nicht schaffen sich an Abmachungen zu halten. Ich gebe echt gerne und viel, aber wenn ich das Gefühl habe, dass sich all meine Bemühungen in einer Sackgasse oder hohlem Gerede verlaufen, investiere ich meine Energie doch lieber in Menschen, die mir ein gutes Gefühl zurückgeben, von denen ich weiss, dass ich mich auch auf sie verlassen kann. Ehrlich gesagt macht es mich nicht mal mehr traurig, so ist es nun mal, Freunde kommen, Freunde gehen und nur ein paar wirklich gute Seelen bleiben. Klar man denkt öfter mal an die „guten alten Zeiten“ aber wirklich zurückhaben will man sie nun auch wieder nicht. Das Schlusswort spare ich mir heute, weil von meiner Seite aus alles gesagt ist.
Umbruch
Veröffentlicht in Lost until I find myself mit Tags Neuanfang am 31. August 2009 von gilbchenNeues kommt, Altes geht, aber will ich das? Sicher, so wie es jetzt ist kann es nicht weitergehen, ich brauche neue Herausforderungen, neue Orientierungspunkte, aber wieso muss ich dafür so viel aufgeben, was mir wichtig ist? Warum kann nicht das, was mir am Herzen liegt, wofür ich alles geben würde, so bleiben wie es war? Weshalb kann ich nicht alles in guter Erinnerung und in der Hoffnung behalten, dass es sich nur minimal ändert, dass die Grundzüge dessen, die mich momentan glücklich machen so bleiben wie sie sind? Sonst bin ich doch auch nicht so pessimistisch veranlagt, aber gerade habe ich einen emotionalen Sandsack in meinem Bauch, der mich tiefer runterzieht, als es mir lieb ist, der sich mit Wasser vollsaugt und schlammige Blasen in meinem Hals aufsteigen lässt, die mir die Luft zum atmen nehmen. Es ist nicht die Angst vor Neuem, oder die Angst zu scheitern, es ist die Angst Brücken hinter mir unwiederruflich abzureissen ohne Schwimmen gelernt zu haben. Doch was nützt es sich darüber vorzeitig den Kopf zu zerbrechen? Ausser Kopfschmerzen und einem Schädelbasisbruch erreicht man eigentlich nichts. Nur ist es nun mal leichter gesagt als getan, so zu tun, als wüsste man nicht, welche Risiken und Verluste man mit seinen Entscheidungen in Kauf nimmt. In Momenten wie diesen wünschte ich mir genau das, wonach ich diese Seite hier benannt habe, nämlich eine Leukotomie. In diesem Sinne einen Gedenkgedanken an Gaia, die mir einige Stunden erleichtert hat.
Bei Betty Bay
Veröffentlicht in Stuff am 30. Juni 2009 von gilbchenWenn der Himmel sich verdunkelt hat und es wie aus Badewannen zu regnen beginnt, sitzt man nirgendwo besser, mit einem wundervoll aromatischen Kaffee in der Hand, als bei Betty Bay. Sicher an sonnigen und anders bewitterten Tagen kann man sich dort ebenfalls herrlich entspannen und die Seele baumeln lassen, aber die regnerischen lassen das liebevoll familiäre Ambiente in einem gleich noch viel heimeligeren Flair erscheinen. Es gibt fast nichts schöneres (moralisch vertretbares) käuflich erwerbbares, als von einem der flauschig romantischen Sofas aus, bei der, nicht nur unwahrscheinlich zuvorkommenden, sondern auch hübsch anzusehenden Kellnerin, einen Kaffe, bestehend aus einer der drei Hauptkaffeesorten und einem liebevoll hergerichteten Themenbecher, zu bestellen. Besonders zu beachten ist, dass die Becher, welche zu den unterschiedlichsten Themen angerichtet sind, von den Besitzern des Cafés handgearbeitet und mit viel Liebe und Witz ausgetüftelt wurden, welche sehr viel Wert auf einen unkonventionellen Kaffeegenuss legen. Die Becher tragen alle den Namen „Betty“, kombiniert mit einer kreativen Adjektiv-Alliteration welche durch das humorvolle Design unterstrichen wird. Nach 23 Uhr sind die Betty-Becher auch in nicht ganz jugendfreier Version zu erwerben, was besonders bei der mittelalten Bevölkerung großen Zuspruch findet. Beim Genießen des Kaffees unterstützt man nicht nur das geniale Konzept der beiden Besitzer, sondern genießt einen wirklich hervorragenden Kaffee in einer idyllisch entspannenden Umgebung. Wer sich letztendlich beim Überschreiten, der sich vor der Ausgangstür befindlichen und mit „Bye Bye Betty Bay“ beschrifteten Fußmatte nicht wünscht das Café soeben erst betreten, oder mehr Geld bei sich zu haben, um sich weiter durch das grandiose Kaffeesortiment probieren zu können, ist vermutlich ein allgemeiner Kostverächter.
Zwischenmenschlichkeiten
Veröffentlicht in Memories mit Tags Vertrauen am 13. Juni 2009 von gilbchenEs ist vermutlich die älteste Geschichte der Welt: A trifft B. A findet B unsympathisch, weil B A an C,D und E erinnert, die für die Geschichte keine große Bedeutung haben, A aber gelehrt haben, dass man für Vertrauen nur verletzt wird. A beschließt B aus dem Weg zu gehen. B lernt A über Freunde näher kennen. B findet A ganz nett und umgekehrt. B möchte A näher kennen lernen. A lässt dies nur bedingt zu, aus Angst verletzt zu werden und muss feststellen, dass B einen wichtigen Platz im Leben von A einnehmen will. A blockt ab. B gibt nicht auf. B gewinnt im Laufe der Jahre das Vertrauen von A. A schämt sich für Zweifel an der Ehrlichkeit von B. B nutzt A aus und hintergeht A heimlich auf übelste Weise. A beschleicht ein ungutes Gefühl. A spricht B darauf an. B belügt A. A fühlt sich schlecht, weil A denkt, dass A unbegründet zweifelt. F erzählt A von B´s Lügen. A fällt aus allen Wolken. B redet A ein, dass A nichts Besseres als B hätte passieren können und dass A völlig übertreibt. A ist verunsichert und denkt A wäre das Problem. A verliert Glauben an eigene Gefühle. B benutzt A weiterhin für eigenen Nutzen. A merkt dies als B auch G in den Schlamassel hineinzieht. A beendet die Bekanntschaft. B hat wenig Verständnis. A möchte B vorerst nicht mehr sehen. B versteht das Problem nicht. B beteuert weiteres Interesse an Kontakt zu A. A ist verletzt. A lernt damit zu leben. A möchte B wieder sehen. B sagt B hätte sich geändert und würde nie mehr jemanden so behandeln wie einst A. A sieht, dass B sich wirklich anders verhält und ist enttäuscht, dass B sich immer noch nicht bei A entschuldigt hat. A sucht den Grund für B´s negativ Verhalten gegenüber A bei A und fügt B zur Liste der Personen C,D und E hinzu.
Kreisverkehr
Veröffentlicht in Lost until I find myself mit Tags dicker Froschkönig, rostiger Nagel, Weg am 4. Juni 2009 von gilbchenEines Tages habe ich mein Zuhause verlassen und bin in den Wald gegangen um einen Spaziergang zu machen und wie das nun mal ist, habe ich mich prompt verlaufen und fand nicht mehr nach Hause zurück. Zunächst hatte ich Angst, aber schnell stellte sich heraus, dass mir das Laufen ins Ungewisse ziemlich gut gefiel. Als ich aus dem Wald herauskam befand ich mich auf einem kleinen Feldweg. Ich lief und lief…fast so wie Forest Gump, nur nicht ganz so schnell wie er und ich war definitiv auch nicht ansatzweise so haarig…jedenfalls lief ich eine geraume Zeit, in welcher sich die Landschaft veränderte und sich die Jahreszeiten wechselten. Im Sommer begann ich barfuß zu gehen, da meine Schuhe komplett durchgelaufen waren, was mir jedoch nur zu kurzer Erleichterung verhalf, da ich recht schnell in einen rostigen Nagel getreten bin, welcher meinen Fuß einmal komplett durchbohrt hat. Der Schmerz war beinahe unerträglich, vor allem dadurch, dass ich trotz entzündeter Wunde auf dem sonnenerhitzten Weg weiterlaufen musste, was den Heilungsprozess stark verlangsamt hat. Ehrlich gesagt hatte ich zeitweise die Angst, den Fuß amputieren lassen zu müssen, um nicht an einer infektiösen Krankheit zu sterben und doch ist die Verletzung mit der Zeit verheilt. Bis auf eine dicke Narbe erinnerte nichts mehr an diesen Unfall, welcher nun über ein Jahr zurück liegt. Ich hatte den Spaß am Laufen wieder gefunden und genoss einen wundervollen Sommeranfang. Bis ich letztens durch einen Windstoß meinen Schal verloren habe. Ich lief dem Schal hinterher und verbeugte mich, um ihn vom Boden aufzuheben, dabei bemerkte ich einen rostigen Nagel, der mich sehr an den Nagel erinnerte, in welchen ich ein Jahr zuvor getreten war. Plötzlich spürte ich den alten Schmerz wieder, es war als wäre ich einmal im Kreis gelaufen und wieder genau an dieser Unfallstelle angelangt. Sicher der Fuß blutete dieses Mal nicht und war auch nicht entzündet, aber ich fühlte mich genau so wie vor einem Jahr. Ich spürte erneut die Unsicherheit darüber, ob ich jemals wieder richtig laufen können würde, die Verzweiflung darüber, dass ich nicht wusste wohin ich mich wenden könnte, sowie die Angst, dass meine Fortbewegung so stark eingeschränkt werden würde, dass ich in freier Natur bewegungslos vor mich hin vegetieren müsste. Was erschwerend noch hinzukam war, dass mich dieser gefühlte Rückschlag selbst komplett aus der Bahn warf, da ich eigentlich fest davon überzeugt war, dass ich das Ganze gänzlich überwunden hätte. In Gedanken darüber versunken bin ich, wie kann es anders sein, ohne auf den Weg zu achten, in ein tiefes Loch gefallen, in welchem ich jetzt sitze wie ein dicker Froschkönig. Den Menschen, die vorbeilaufen und fragen ob sie mir hinaus helfen können erzähle ich, dass ich das Loch selbst gegraben hätte und auf der Suche nach Gold wäre. Wie soll man denn auch erklären, dass man sich auf einem emotionalen Rundweg befindet und nur deshalb in diesem Loch sitzt, weil man sich fragt wie man mit seinem lähmenden Phantomschmerz umgehen soll?